Die Nazis vor über 10 Jahren...
Hier ein Artikel der in der „Fandungsakte“ einem kleinen Magazin aus
Dortmund, in der Ausgabe 9/1999 erschienen.
Interessanterweise kann man den Artikel heute, also 12 Jahre später,
fast immer noch wie einen aktuellen Bericht lesen. Teilweise wurde die
Rechtschreibung angepasst.
Man kann davon ausgehen, dass Rassismus immer dann vorliegt, wenn
bestimmte körperliche Merkmale oder Eigenschaften qualitativ bewertet
werden, z.B. wenn Hautfarbe eines Menschen Rückschlüsse auf die
geistigen Potenzen geben soll. Rassismus liegt auch dann vor, wenn
gelerntes Verhalten, z.B. Intelligenz, als angeboren unterstellt wird,
oder wenn behauptet wird, dass Frauen weniger Rationalitöt dafür aber
von Geburt an mehr Gefühle zukomme als Männern usw.
Diese Arten des Rassismus werden als genetischer Rassismus bezeichnet.
Außerdem gibt es noch den kulturellen Rassismus, der dann vorliegt,
wenn bestimmte Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche anderer als
negativ abweichend deklariert werden. Leider scheint der kulturelle
Rassismus auf dem Vormarsch zu sein. Peinlich, aber „wir Deutschen“
scheinen ein Volk der Intoleranz zu sein. Wieso kann der kulturelle
Rassismus wachsen, in einer modernen, aufgeschlossenen Welt, in einer
Zeit, in der man den urlaub in fremden Ländern verbringt, Menschen
daran Spaß haben diese fremden Länder kennen zu lernen, fremde
Kulturen kennen zu lernen? Wer möchte im Ausland mit der gleichen
Verachtung behandelt werden, wie wir unsere ausländischen Mitbürger
behandeln?
[…]
„Deutschland den Deutschen“ , „Ausländer raus“, oder die „Türkei den
Türken“ sagt ja wohl alles. […] Wir schieben fähige Wissenschaftler
ab, die hier studiert haben. Staaten wie Amerika oder Kanada, die
strenge Einwanderungsrichtlinien vorgeben, nehmen diese Menschen mit
Kusshand auf, innerhalb von drei Tagen. Da kann ja wohl etwas nicht so
ganz stimmen. Oder der Unternehmer, der händeringend Arbeitskräfte
sucht. [aber die Deutschen können nicht oder wollen nicht. Es gibt
genug Arbeitsplätze aber nicht genug fähiges Personal in Deutschland]
Dazu fällt mir dann gleich diese dumme Bemerkung ein, dass die
Ausländer uns die Arbeit wegnehmen. Aber wenn wir die Arbeit doch
nicht wollen [oder es aufgrund mangelnder Bildung nicht können]?
Die Initiative Aktion “Courage – SOS Rassismus“ hat 45 neue Übergriffe
von Polizeibeamten gegen Ausländer dokumentiert. Die Vorfälle, die
zwischen 1997 bis Anfang 1998 erfasst wurden, stellen nur „die Spitze
des Eisbergs“ dar, erklärten Sprecher der Organisation am Freitag vor
Journalisten in Bonn. Es handele sich nicht um „Entgleisungen“ sondern
um kriminelle Taten. Die Initiative verlangte ein konsequentes
Vorgehen gegen Ausländerfeindlichkeit in den Reihen der Polizei sowie
die verstärkte Einstellung von Ausländern als Polizisten, um derartige
übergriffe zu verhindern. [...] (15.05.98)“
Weitere Beispiele aus der „Berliner Tageszeitung“:
2.12.92: Skinheads beschimpfen die Mutter eines farbigen Kindes auf
dem Berliner Flughafen Schoenefeld aus Negerhure und gießen ihr
Joghurt über den Kopf. Zwei Beamte des Bundesgrenzschutzes, die um
Hilfe gebeten werden, fühlen sich nicht zuständig.
12.09.92: Bundesweit wurden im ersten Halbjahr 1.443 Anschläge „mit
fremdenfeindlicher Motivation“ erübt, davon 39 in Berlin.
1.10.92 Ein 26jähriger Brasilianer wird in der U-bahn von deutschen
Jugendlichen misshandelt. Die Fahrgäste schweigen.
März 1991: Der Mosambikaner Jorge Gomodai wird am Ostersamstag in
Dresden aus eine fahrenden Straßenbahn geworfen und stirbt.
[alleine bis 2000 gibt es rund 100 weitere Morde bei denen man
nachweisen kann, dass sie Konto von Rechtsextremen gehen]
Mit diesen kurzen Meldungen kann man Seiten füllen, darum nur ein paar
Beispiele. Nicht zu vergessen die zahlreichen Brandanschläge auf
Asylbewerberheime, die zahlreichen Toten und Verletzten, Menschen die
grundlos zusammengeschlagen werden, weil die Hautfarbe anders ist,
Diskriminierungen bei Behörden usw.
Da wäre noch die alte Dame, die ihren Hausschlüssel dem Sohn einer
Bekannten gab, damit er mal nach dem rechten sehen kann, da sie alt
und gebrechlich ist, und in ihrem Alter doch mal etwas „passieren“
könnte, und von diesem (deutschen) Mann bestohlen wurde. Auf die
Frage, warum sie den Schlüssel nicht ihren langjährigen Nachbarn
gegeben hatte, statt diesem Mann, den sie eigentlich gar nicht kannte,
antwortete sie: „Aber das sind doch Ausländer“.
Ich war meiner türkischen Nachbarin dankbar, dass sie während meiner
Abwesenheit meine Blumen goß.
Oder die alte Dame, die zwar ihre Familie in Dortmund wohnen hat, die
ihrer alten Mutter aber nicht so gerne helfen möchte. Diese Hilfe
bekommt sie dann durch farbige Mitbürger, die sie durch den
Kirchenkreis kennt. Das wiederum lässt die Kinder Erbschleicherei
vermuten. […]
Aus einem Artikel aus der TAZ Berlin vom 5.08.98: Raub wegen Rassenschande
Am Abend des 18.02.98 wurde Larry M. vor 6 Jahren aus Ghana gekommen,
auf dem Nachhauseweg von zwei Männern als „Neger“ und „Scheißneger“
angepöbelt und seine deutsche Frau wurde als „Schlampe“ betitelt und
als „Verräterin an ihrer Nation“.
Des Weiteren wurde Larry M. von en beiden Männern, die mitsamt ihrer
Hunde auf ihn losgingen, wüst beschimpft( „deinetwegen habe ich keine
Arbeit und keine Wohnung“), geschlagen und gewürgt. Erst wollten sie
sein Geld, seine Halskette und seinen Ring und zum Schluss drohten sie
ihn umzubringen wenn er ihnen ein noch einmal Mal über den Weg läuft.
Der 28jährige Dirk D. und sein 26jähriger Kumpel Thomas J. müssen sich
nun vor der Ersten großen Strafkammer des Berliner Landesgerichts
wegen schweren Raubes und schwerer Körperverletzung verantworten –
offensichtlich sehr zu ihrer Verwunderung, denn aus den polizeilichen
Vernehmungen des Dirk D. wurde übermittelt, dass es „ziemlich
lächerlich sei, dass jeder dahergekommen und Anzeige erstatten könne.
[Interessante sicht auf die Dinge.. ein Arbeitsloser (von
Rechtsextremen oft als Asoziales Pack bezeichnet) ohne bleibe (also
von Rechten oft als ein sog. „Penner“ bezeichneter Typ) der anders als
der gute Steuerzahler Larry dem Deutschen Staat nur auf der Tasche
liegt, wundert sich das dieser die selben rechte hat wie er…) An den
Tatverkauf wollen oder können sich die beiden nicht erinnern. D.
gesteht allerdings ein, dass er M. wegen seiner Frau angemacht habe,
„weil das Rassenschande ist oder so“ J.sei nur zufällig dazu gekommen.
Beide gaben an, Larry M. nicht geschlagen zu haben. Auf der Suche nach
den Motiven tappte Richter Rainer P., der zum Erstaunen der
Öffentlichkeit selber dazu überging den Ghanaer als Neger zu betiteln
(„Ich habe damit kein problem, wenn das ein Schwarzer ist, dann ist
das ein neger“) im dunkeln.
In seiner fünfmonatigen Untersuchungshaft hat J. auch noch nicht
gelernt, dass es sich bei dem Opfer um einen Ghanaer handelt. Er
dachte, „dass sei ein Albaner“.
Auf die Frage ob Albanien oder Ghana in Afrika liege, antwortete der
schulterzuckend: „Ich war auf der Hilfschule, mit so Ländern hab ich
mich nie befasst.“
Noch ein anderes Beispiel aus der „Frankfurter Rundschau“ vom 29.03.99
[Kurz zusammengefasst, Staatsanwalt Michael N. berichtet über einen 19
Jährigen Arbeitslosen aus dem brandenburgischen Schwedt (Oder) ohne
Grund einen Ausländer mit einem Messer von feige hinten
Niedergestochen hat. Einzig die Tatsache das das Messer bei dem
Angriff abbrach rettete dem Begleitert des aus Libanon stammendem
Opfer das Leben. Das Opfer verstarb im Krankenhaus. ]